Veröffentlicht: Donnerstag, 5. November 2026 14:40
Energiegenossenschaft zieht Jahresbilanz:
Starkes Wachstum durch neue Projekte
Von Harald Westbeld
Saerbeck. Die im Bau befindlichen neuen Windräder in Sinningen und Middendorf bescheren der Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“ einen starken Wachstumsschub bei den Mitgliedern und dem Anlagevermögen. Die Zahl der Genossen wuchs im vergangenen Jahr von 380 auf aktuell 574, konnte Vorstandsmitglied Rainer Pankok bei der Gesellschafterversammlung am Montagabend in Hövels Festhalle feststellen. Drei Millionen Euro an Kapital wurden für die neuen Projekte von Saerbecker Bürgern zur Verfügung gestellt in der Hoffnung auf künftig gute Renditen.
Die fiel für 2025 geringer als gewohnt aus. Während die Sonne im normalen Maß schien und gut 81 Millionen Ertrag aus den diversen Photovoltaik-Anlagen erbrachte, an denen die Genossenschaft beteiligt ist, schwächelte dagegen der Wind: „2025 war das schlechteste Windjahr sei dem Bau der Windräder im Bioenergiepark in 2013,“ erklärte Vorstandsmitglied Ewald Baar.
Aber er konnte Hoffnung auf bessere Zeiten mit der Vorstellung der neuen Projekte machen, die ab dem kommenden Jahr zu den Erträgen der Genossenschaft beitragen sollen. An den vier neuen Windrädern in Sinningen und sieben in Middendorf sind die Mitglieder mit 25 beziehungsweise 13,4 Prozent beteiligt, was je einem der Windräder dort entspricht.
Die neuen Türme dafür werden derzeit nach und nach aufgebaut. Anders als im Bioenergiepark bestehen sie nicht im unteren Teil aus Beton, sondern ganz aus vier Zentimeter dicken Stahlelementen. Auch das bisher gewohnte eiförmige Maschinenhaus an der Spitze als Erkennungszeichen der Enercon-Anlagen werde es nicht mehr geben. Das erste kastenförmige Gehäuse sei bereits angeliefert.
Wichtig für den Ertrag sei die größere Höhe, die mit den Flügeln 250 Meter erreicht. Die Leistung steige damit auf das doppelte der Anlagen im Bioenergiepark und da der Wind in der Höhe konstanter und stärker wehe, könne sogar mit mehr als dem doppelten Ertrag pro Anlage gerechnet werden. Auf Nachfrage aus der Versammlung erklärte der Vorsitzende des Aufsichtsrats Ansgar Heilker, dass die Windräder in Middendorf im ersten Quartal 2027 den Betrieb aufnehmen sollen und in Sinningen je nach den Witterungsbedingungen in der Bauzeit zwischen April und Juni kommenden Jahres.
Damit der Strom dann auch ins Netz eingespeist werden kann, werden gerade Kabel aus Middendorf zu einem neuen Umspannwerk in Reckenfeld verlegt. Die Sinninger Windräder sollen durch eine neue Leitung in Emsdetten angeschlossen werden.
Neben diesem Ausblick in die Zukunft bestimmten vor allem der Geschäftsbericht mit vielen der für die dann einstimmig erteilten Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat erforderlichen Prüfberichte die Versammlung. Wegen des schlechten Windjahrs sind die Erlöse gegenüber den Vorjahren deutlich gesunken. Immerhin konnte noch aus dem Gesamtergebnis von 136,1 Millionen Euro eine Rendite von 3,8 Prozent vorgeschlagen werden, die einstimmig angenommen wurde. Vorsandsmitglied Franz-Josef Engeler versprach, dass sie in diesem Monat ausgezahlt werden wird.
Sehr zufrieden zeigte sich Rainer Pankok mit der Entwicklung der Genossenschaft. Allein die Geschäftsguthaben der Mitglieder seien von 2024 auf 2025 von 3,553 Millionen Euro auf 6,170 Millionen gewachsen. Im Januar habe das letzte Darlehen getilgt werden können, so dass die Genossenschaft jetzt schuldenfrei sei.
Zum Ende stand noch eine turnusmäßige Wahl zum Aufsichtsrat an. Norbert Winter, der wie gewohnt den Prüfbericht vorgetragen hatte, stellte sich nicht erneut zur Wahl. Nach seinem 70. Geburtstag wolle er zur Verjüngung des Aufsichtsrats beitragen und mehr Zeit für Familie, Garten und Hobbies haben. Er freue sich über das Erfolgsmodell der Bürgerenergiegenossenschaft und wünsche sich, dass sie weiter an Zukunftsfragen wie Speicherlösungen dran bleibe. Wichtig werde bleiben, die Bürger dabei immer mitzunehmen.
Ansgar Heilker bedankte sich bei Norbert Winter, der seit 2009 und als sechstes Mitglied von Anfang an dabei gewesen sei. Mit seinem Engagement habe er zum stetigen Wachstum beigetragen. In der Wahl entschieden sich die 75 anwesenden Mitglieder einstimmig für Felix Stegemann. Der 28jährige gebürtige Saerbecker arbeitet in der von Norbert Winter gegründeten Steuerberatungsgesellschaft und kann damit, so Heilker, weiterhin das „Steuerwissen“ in der Genossenschaft sichern.
Fotos:
Baar: Die neuen Windkraftprojekte stellte Vorstandsmitglied Ewald Baar auf der Generalversammlung der Genossenschaft vor.
Dank: Zum Dank für seine langjährige Tätigkeit im Aufsichtsrat der Genossenschaft bedankte sich Ansgar Heilker mit einem Präsentkorb bei Norbert Winter.
Heilker: Eine gute Entwicklung konnte der Vorsitzende des Aufsichsrats, Ansgar Heilker, der Genossenschaft bescheinigen.
Stegemann: Als Nachfolger von Norbert Winter bewarb sich Felix Stegemann in einer kurzen Vorstellung.
Bioenergiepark: Einen guten Ertrag hat die große Photovoltaik-Anlage auf den Bunkern im Bioenergiepark in 2025 geliefert, während es den Windrädern an Luftbewegung fehlte.
Middendorf: Ab 2027 sollen die in Bau befindlichen elf Windräder in Middendorf und Sinnigen die Rendite der Genossenschaftsmitglieder befördern.
(Fotos: Harald Westbeld)
3. November 2026
